Freitag, 31. Mai 2013

Nachtzug nach Lissabon – Pascal Mercier




Der in den letzten Wochen mit großem Erfolg in den deutschen Kinos gelaufene gleichnamige Film war zweifelsohne sehenswert. Denn  in diesem Fall kam das alte Klischee nicht gänzlich zur Geltung, wonach die Verfilmung eines Romans oft hinter dem Buch selbst zurücksteht(was in diesem Fall natürlich auch an den wunderschönen Schauspielern lag). Dennoch hat die Lektüre desselben mindestens einen großen Vorteil: Man kann die Briefe und Gedanken, die der Arzt Amadeu de Prado während der Diktatur in Portugal verfasste, in aller Ruhe mehrfach lesen, genießen und darüber in Stille sinnieren. Wie sollte das im, zugegebenermaßen, sehr schönen und ästhetischen Film möglich sein?



Und allein schon diese melancholischen, zutiefst ehrlichen und extrem selbstkritischen Gedanken dieses außergewöhnlichen Mannes machen das Buch so wertvoll. Wann hat jemals schon ein Mensch so schonungslos offen mit sich und der ihn umgebenden Welt abgerechnet ohne anklagend zu werden?

Aber auch der Rahmen der Handlung stimmt nachdenklich und zugleich hoffnungsvoll für das eigene Leben: Da wird ein den alten Sprachen verfallener, hochintelligenter und von seinen Schülern geliebter, jedoch von seiner Frau vor vielen Jahren ob seiner offensichtlichen Langweiligkeit verlassener Lehrer von einer Sekunde auf die andere aus seinem gewohnten Trott gerissen. Eine junge Portugiesin hält er vom todbringenden Sprung von einer hohen Brücke ab, diese begleitet ihn darauf hin bis ins Klassenzimmer, worauf Raimund Gregorius, von der portugiesischen Aussprache der Frau hingerissen, ohne Nachzudenken sein Leben von einem Augenblick auf den anderen ändert: Er verlässt mitten im Unterricht seine verdutzten Schüler und die gewohnte Schule, seinen Alltag und seine Welt. Durch Zufall fällt ihm in einer Buchhandlung das Buch eines portugiesischen Autors in die Hände und nun gibt es für ihn nur noch eines: Diesen Mann aufspüren. Also nimmt Gregorius den nächsten Zug über die französische in die portugiesische Hauptstadt, lernt auf der Fahrt einen gehetzten aber sehr sympathischen Lissabonner Geschäftsmann kennen und quartiert sich in einem kleinen Hotel in der Altstadt ein. Von einem unsichtbaren Sog getrieben, streunt er durch die Straßen der Stadt, lernt in kürzester Zeit mehr Menschen kennen (im wortwörtlichen Sinne) als in den vielen Jahren in Bern und kommt Amadeu mit jedem Tag, den er sich von seinem eigenen Leben entfernt, ein ganzes Stück näher. Immer tiefer taucht er in dessen Welt ein, auch wenn seine erste Begegnung mit dem Portugiesen, dem er sich auf seltsame Weise zutiefst verbunden fühlt, die mit dessen Grabstein ist. Doch zwei Schwestern und zwei ehemals sehr enge Freunde leben noch, ebenso wie zwei ehemalige Freundinnen, und diese Menschen erzählen Gregorius immer mehr Details über den geheimnisvollen Mann, dessen Familie und die Gründe, warum er in der Resistance sein Leben riskierte. Die Menschen fassen Vertrauen zu dem Schweizer Lehrer, kehren in ihre längst verdrängte Vergangenheit zurück und händigen ihm verschiedene Briefe aus, mit deren Hilfe sich Gregorius ein immer genaueres Bild über das Leben und den inneren Gemütszustand seines Bruders im Geiste verschaffen kann und die ihn durch deren teilweise philosophischen Betrachtungen begeistern. Genau wie den neugierigen, suchenden Leser.

Hier werden Fragen aufgeworfen, die uns alle hin und wieder quälen, wie z.B.: „Wie unterscheidet man, ob man eine Empfindung wichtig nehmen oder sie wie eine leichtgewichtige Laune behandeln soll?“

Und wer kennt nicht diesen so logisch daherkommenden Ratschlag, man solle:„Den Augenblick leben. Es klingt so richtig und auch so schön …, aber je mehr ich es mir wünsche, desto weniger verstehe ich, was es heißt.“ ?


Gregorius, auch von dessen Zweifeln und Gedanken kann man immer wieder lesen, wusste stets, und diese These hatte er immer vehement verteidigt, dass man Menschen ganz einfach in zwei Klassen einteilen kann, die Leser und die Nichtleser. Und dass es keinen größeren Unterschied zwischen Menschen gibt als eben diesen. Denn wer liest, trägt Fragen in sich und wenn er auch selten eine eindeutige Antwort bekommen mag, so trägt doch jedes Buch dazu bei, sich selbst besser verstehen zu lernen.

Die Reise in die fremde Stadt und in das Leben der dortigen Menschen führt auch in Gregorius zu selbstreflektierenden Betrachtungen seines eigenen Lebens, der Möglichkeiten, die ihm dieses bot und zu Überlegungen, wie dieses hätte verlaufen können, wenn bestimmte Entscheidungen anders gefällt worden wären. Auf der Suche nach Amadeu fragte er sich, ob es möglich sei: „…dass der beste Weg, sich seiner selbst zu vergewissern, darin bestand, einen anderen kennen und verstehen zu lernen?“

Einer der Höhepunkte des Buches ist ganz sicherlich die Abschlussrede des in einer religiösen Umgebung aufgewachsenen Amadeu am Ende seiner Schulzeit. Hier greift der Sohn eines offensichtlich von der Diktatur profitierenden Richters (später werden auch die Gründe hierfür näher beleuchtet – und wieder kann man lernen, dass es immer Gründe für unser Tun oder eben Nichttun gibt, auch wenn sie den Mitmenschen nicht bekannt sind) nicht nur das Regime an. Er, der Kathedralen und betende Menschen liebt, rechnet in einer Art und Weise mit Gott ab, die einen schwindlig machen kann. Der blutjunge Amadeu vergleicht die Allwissenheit Gottes, der jeden unserer Schritte und all unsere Gedanken kennt, mit der Brutalität der Folter, die den Inhaftierten ihren Rückzug nach innen durch Helligkeit und Schlafentzug vorenthält, was ihnen die Seele stiehlt: „Sie zerstört die Einsamkeit mit uns selbst, die wir brauchen, wie die Luft zum Atmen.“ Und er hinterfragt in seiner Rede die auch von Nichtchristen mitunter erhofften Versprechen der Ewigkeit, in dem er grandios schlussfolgert, dass diese schal und langweilig wäre, weil es vor dem Hintergrund eines ewigen Lebens keine Rolle spielte, was heute passiert: „Millionenfache Versäumnisse würden vor der Ewigkeit zu einem Nichts, und es hätte keinen Sinn, etwas zu bedauern, denn es bliebe immer Zeit, es nachzuholen. Nicht einmal in den Tag hineinleben könnten wir, denn dieses Glück zehrt vom Bewusstsein der verrinnenden Zeit, der Müßiggänger ist ein Abenteurer im Angesicht des Todes… Wenn immer und überall Zeit für alles und jedes ist: Wo sollte da noch Raum sein für die Freude an Zeitverschwendung?“


Obwohl Amadeu selbst aus berechtigtem Grund in ständiger Angst vor seinem bevorstehenden Tod lebte, reflektiert er über die Gründe, warum seine Patienten so entsetzt waren, wenn er diesen ankündigte, dass sie nicht mehr lange zu leben hätten und nimmt dem Leser gleichzeitig die Angst vor seinem eigenen Sterben: „Sie wollen nicht, dass es zu Ende sei, auch wenn sie das fehlende Leben nicht mehr vermissen können – und das wissen.“


Auch das Thema Einsamkeit teilen beide Männer. Und so liest Gregorius immer wieder die Aufzeichnungen des Portugiesen, der sich dieser Angelegenheit kurz vor seinem Tod, welcher ihn recht früh ereilte, intensiv widmete. Er meinte, dass wir Menschen unfrei wären und Sklaven unserer Umgebung, und er kämpfte mit Worten und Gedanken dagegen an: „Wenn uns die anderen Zuneigung, Achtung und Anerkennung entziehen: Warum können wir nicht einfach zu ihnen sagen: Ich brauche das alles nicht, ich genüge mir selbst?“

An anderer Stelle fragt er sich, „… ob wir nur aus Angst vor Einsamkeit so selten sagen, was wir denken? Weshalb sonst halten wir an all diesen zerrütteten Ehen, verlogenen Freundschaften …fest?“ Und dann erfasst Amadeu das Wesen der Einsamkeit einmal aus einem ganz anderen, positiven Blickwinkel, in dem er fragt, worin diese eigentlich bestehe: „In der Stille ausbleibender Vorhaltungen? In der fehlenden Notwendigkeit, mit angehaltenem Atem über das Minenfeld ehelicher Lügen … zu schleichen? In der Freiheit, beim Essen niemanden gegenüberzuhaben?“

Brillant ist dann die Schlussfolgerung, die das Potenzial in sich trägt, für viele dieser Ängstlichen ein Tor zu öffnen und damit eine Möglichkeit aufzeigt, die wohl kaum jemand schon so treffend formuliert hat:

„Und warum sind wir eigentlich so sicher, dass uns die anderen nicht beneideten, wenn sie sähen, wie groß unsere Freiheit geworden ist? Und dass sie nicht daraufhin unsere Gesellschaft suchten?“

„Nachtzug nach Lissabon“ ist kein Reiseführer der schönen alten Stadt an der Mündung des Tejo – aber das Buch macht Lust auf eine Reise dorthin. Es ist ein Mut machendes Buch, auch wenn viele der Gedanken ausgesprochen düster daherkommen. Denn zugleich vermag es uns Ängste zu nehmen (vor der Einsamkeit, vor dem Tod, vor der Fremde) und es regt unsere Gedanken an, es lädt ein, auch unser Leben zu überdenken und zeigt, dass es niemals zu spät ist, etwas zu verändern, spannende Menschen und neue Freunde kennenzulernen. Und es bietet, im Gegensatz zum Film, kein Happy End, auch wenn man es sich als Leser wirklich ersehnt. Was allein schon ein gewichtiger Grund für dessen Lektüre ist!

Mittwoch, 15. Mai 2013

Roman eines Schicksallosen – Imre Kertész




Wie kann man über die Schrecken von Auschwitz, die doch nun wirklich nicht in Worte zu fassen sind, nur so schreiben? Wie kann einer, der direkt aus einem Budapester Bus heraus deportiert worden ist, über seine Erlebnisse mit einer derart naiven Sichtweise berichten, dass sein eigenes ungläubiges Staunen ob der Unmöglichkeit seiner Erlebnisse in jedem Satz offensichtlich wird, ohne dass der Leser das Buch entgeistert zurück ins Regal stellt? Was Imre Kertész hier vor Jahrzehnten niederschrieb, ist nicht nur bewegende Weltliteratur, sondern gleichzeitig einzigartiges Zeugnis menschlicher Größe!



 
Der „Roman eines Schicksallosen“ reiht sich nicht nur ein in die ehemaligen Pflichtlektüren „Werner Holt“ und „Das siebte Kreuz“, er berichtet nicht anhand einer teilweise erfundenen Geschichte wie in „Die Mütze“ über die Schrecken der KZs, sondern er schafft etwas, was einzigartig in der Holocaustliteratur ist: Er macht das Lesen dieser Unglaublichkeiten erträglich und, man darf es eigentlich kaum schreiben: fast schon angenehm. Es ist wohl diese besondere Art der Ironie in Kertész’ Sprache, die dieses Faszinosum ermöglicht und wofür wir ihm dankbar sein sollten. Man kann natürlich vom grausamen Hunger in anklagenden Worten berichten,  aber man kann auch durch viel subtilere Sätze wie diesen, der überhaupt nichts schönredet, die Gefühle und Erfahrungen der Häftlinge deutlich machen:
„Überhaupt war ich von der Verpflegungsordnung in Auschwitz einigermaßen befremdet  so hatte ich dann bis zum dritten Tag schon eingehend Bekanntschaft mit dem ärgerlichen Gefühl des Hungers gemacht …“

Böswillige Kritiker könnten dem Schriftsteller möglicherweise entgegenhalten, er wäre nicht einmal 4 Tage in Auschwitz gewesen und hätte keine Ahnung vom Lagerleben und ‑sterben. Doch was 3,5 Tage sowie die unvorstellbaren "Reiseumstände" in einem Menschen anrichten und auszulösen vermögen, davon kann sich wohl heute kein Mensch eine Vorstellung machen. Und schließlich war Buchenwald auch kein Urlaub vom Grauen, auch wenn manche Aussagen ganz bewusst diesen Eindruck erwecken wollen; nicht um das Verbrechen KZ zu relativieren, sondern nur um die absolute Perversion der Menschenvernichtung zu untermauern: „Ich kann sagen,  auch ich habe Buchenwald bald liebgewonnen“.
Klug und mit einer gewissen Spur von Humor berichtet der Held (wann, wenn nicht hier dürfte man dieses Wort benutzen?!) von seinem Unbehagen hinsichtlich seiner Herkunft. Als nicht praktizierender Jude hatte er nie Jiddisch gelernt, weshalb er von den Juden im Lager genauso geschnitten wurde wie von seinen Mitmenschen als Träger des gelben Sterns in den Straßen von Budapest. Er fühlte sich in beiden Situationen als der Ausgegrenzte, als „Der Jude“. Dabei fragte er sich, wieso seine Mitgefangenen „… derart unsinnig auf etwas bestanden, das ihnen ja sehr viel mehr zum Schaden gereichte und bei dem sie doch so viel mehr draufzahlten, als sie herausholten …“
Der Protagonist wurde bald nach seiner Ankunft in Buchenwald zum Arbeiten ins Außenlager Zeitz geschickt, wo er schließlich wegen eitriger Abszesse auf der Krankenstation landet. Halbtot wird der junge Mann schließlich zurück ins Hauptlager gebracht, er weiß, dass das Leben vorbei ist, und er hat sich mit dieser Tatsache eigentlich schon abgefunden. Doch dann sieht er (neben verdächtigen Rauchschwaden) auch dampfende Kessel mit Essbarem und so regt sich ein letzter Überlebenswille, dem Hunger geschuldet: „in mir war die verstohlene, sich ihrer Unsinnigkeit gewissermaßen selbst schämende und doch immer hartnäckiger werdende Stimme einer leisen Sehnsucht nicht zu überhören: ein bisschen möchte ich noch leben in diesem schönen Konzentrationslager.“ Niemand darf so einen Satz schreiben! Niemand außer den Überlebenden, einem wie Kertész, dem es gerade durch solche Sätze gelingt, den durch späte Geburt gesegneten den Lageralltag für die Nachwelt sichtbar zu machen, ohne den Horror auch nur im Mindesten kleinzureden.
Wegen dieser absolut gelungenen autobiographischen Erzählung, die uns heute so weit entfernt und vollkommen irreal erscheint, sollte jeder Schüler den „Roman eines Schicksallosen“ lesen. Auch jeder ehemalige Schüler!

Samstag, 4. Mai 2013

Pol Pots Lächeln - Peter Fröberg Idling



Ich sah, was ich sah!

In Pol Pots Lächeln wird Georges Orwells „1984“ zur Realität

Da reisen im Jahr 1978 vier schwedische Linksintellektuelle durch das unter Pol Pot so genannte „Demokratische Kampuchea“, das damals völlig abgeriegelt war, und sehen überhaupt nichts vom allseits gegenwärtigen Massenmord. Wie verblendet kann man nur sein?, könnte man fragen. Oder man könnte sich auf die Spur der vier Schweden machen, sie zu ihren Erlebnissen befragen, Zeitzeugen treffen, Bibliotheken durchforsten sowie die Vorgeschichte der Reise und des Landes beleuchten. Und eben das hat Peter Fröberg Idling getan. Herausgekommen ist ein überaus kluges, akribisch recherchiertes und einfühlsames Buch voller Hintergrundinformationen zur damaligen Situation.
Hier wird nichts schöngeredet oder verharmlost. Der Autor ergründet die Sichtweise der Linken auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges und bringt die Revolution in Kambodscha in einen Zusammenhang mit der Weltgeschichte.


 
Heute sind uns die brutalen Methoden Pol Pots bekannt. Wir wissen, dass „Die Organisation“ den Platz von Familie, Monarchie und Religion einnahm, alle Städte räumte, kleine Kinder von ihren Eltern trennte und dass Folter und Hinrichtungen zum System gehörten. Aber damals standen vor dem Hintergrund flächendeckender Bombardements der USA mit unzähligen Opfern und einer anschließenden Phase von Korruption und Zerfall vor ihrer Revolution 1975 die Roten Khmer eben nicht für Völkermord und Barbarei sondern für Moderne und Freiheit.

Dennoch: Wie gelang es, die schwedische Delegation so zu täuschen, dass diese anschließend alle Schreckensmeldungen von Geflüchteten in Zweifel zog und ein überaus optimistisches Bild über die Lage im Land verbreitete?

Diese Frage zu beantworten ist das Hauptanliegen des Autors, der sich mühsam aber zielstrebig einer Erklärung annähert und anhand von konkreten Beispielen tiefsinnig analysiert, warum selbst die höchsten Führer mit Potemkinschen Dörfern getäuscht wurden, wenn sie durchs Land reisten - und was die Statisten erwartete, sollte deren Vorstellung nicht glaubwürdig sein.

So verurteilt Idling die Schweden auch nicht, vielmehr fragt er, was künftige Generationen uns einmal vorwerfen werden, wenn sie uns Zeitungsmelden von Heute vorlegen, in denen täglich von Hunger, Krieg und Ungerechtigkeiten berichtet wird: „Aber hier steht doch alles, wie könnt ihr denn sagen, dass ihr es nicht verstanden habt?“

Peter Fröberg Idling: Pol Pots Lächeln: Eine schwedische Reise durch das Kambodscha der Roten Khmer. Aus dem Schwedischen von Andrea Fredriksson-Zederbauer. Frankfurt am Main: Edition Büchergilde. 351 S., 22,95€

Samstag, 20. April 2013

Der Zeitverkäufer – Fernando Trias de Bes




Persönliche Empfehlungen haben sich noch immer als die besten Buchtipps herausgestellt, und so sei diese außergewöhnliche und phantastische Geschichte ebenfalls allen ans Herz gelegt, die nach neuen Wegen im alltäglichen Kampf um freie Zeit suchen oder ganz einfach nur eine zum Denken anregende, sehr schön geschriebene Story konsumieren möchten


Der allseits bekannte, allgemein akzeptierte und doch im Grunde genommen wahrlich perverse Spruch „Zeit ist Geld“ wird hier auf die Spitze getrieben, und man erkennt beim Lesen recht schnell, dass unsere moderne Gesellschaft einzig darauf beruht, dass uns unsere Lebenszeit vom „System“ für vergleichsweise wenig Geld abgekauft wird. Um mit der Lektüre nicht zu viel von dieser wertvollen Zeit zu verschwenden, hat der Autor daher ein paar selbsterklärende Abkürzungen eingeführt und damit unnötige Redundanzen entfernt. (Natürlich ist das „unnötig“ an dieser Stelle vollkommen unnötig, weil der Begriff „Redundanz“ die Unnötigkeit von Dopplungen bereits impliziert).

Am Beispiel des Protagonisten NT (Normaler Typ), seiner Frau NTF und den beiden Kindern NTK1 sowie NTK2 wird das Fiasko dieses teuflischen Pakts „Zeit gegen Geld“, das die Mehrheit der Menschen in unserer westlichen Gesellschaft gefangen hält, veranschaulicht: NT zieht eine ganz einfache, aber aussagekräftige Zwischenbilanz seines Lebens und kommt zu dem Schluss, dass er für sein eigentliches Interesse niemals Zeit finden wird. Grund ist das schlechte Verhältnis zwischen Hypothek und Einkommen, welches ihn für 35 Jahre an Bank und Job fesseln wird. Oder, wie es ein Vertreter der Unternehmer später gegenüber eines Regierungsverantwortlichen ausdrücken wird: „Das System basiert darauf, den Leuten Geld zu leihen, und im Gegenzug stellen diese dem System ihre Zeit als Arbeitszeit zur Verfügung. Die Menschen dürfen nicht Herren ihrer eigenen Zeit sein, sonst geht alles den Bach runter!“

So springt NT  schließlich über seinen eigenen Schatten, kündigt und macht sich in der (Tief-) Garage seines Hauses selbständig, weil er in seinem Marketing-Kurs gelernt hat, dass alle große Firmen in einer Garage gegründet worden seien. Seine Frau ist über diese Tatsache so entsetzt, dass sie ihm lediglich eine Frist von einer Woche gewährt, bevor sie mit den Kindern zurück zu ihren Eltern zieht.

Doch dies wird nicht notwendig sein, denn NT hat eine der genialsten Ideen aller Zeiten. Zwar werden die Realisten unter der Leserschaft deren Erwähnung als Unmöglichkeit abtun, doch ist dies ja nun einmal der Vorteil einer ersonnenen Geschichte. Sie darf ersponnen sein und kann dennoch absolut glaubwürdig daherkommen: NT stellt ganz einfach und immer auf Korrektheit bedacht leere Plastikfläschlein vor je einen Wecker und füllt deren Zeit im Fünf-Minuten-Takt ab. Die Flaschen werden über Nacht zum Kassenschlager, denn nun kann sich jeder auf völlig legale Weise für fünf Minuten von allen Verpflichtungen freikaufen. Paare schrauben ihre Zeitvorräte gleichzeitig auf, um sich in der Mittagspause kurz für einen Kuss treffen zu können, Sekretärinnen nutzen die Zeit für ein Nickerchen auf dem Schreibtisch, und kein Chef der Welt könnte etwas dagegen unternehmen. Schließlich bezahlen die Mitarbeiter für die Freizeit, indem sie einen kleinen Abstrich auf ihrer monatlichen Lohnabrechnung hinnehmen. Alle profitieren von diesem Geschäft, denn das Betriebsklima steigt merklich an, die Krankmeldungen gehen zurück und NT verdient mit der Abfüllung der Zeit eine Menge Geld. Doch ach, die Gier, sie kommt ins Spiel und mit ihr die Unzufriedenheit in den Chefetagen der Unternehmen. Erst sind es Zwei-Stunden-Behälter, die reißenden Absatz finden, doch als schließlich Eine-Woche-Container verkauft werden, wird es auch der Regierung dann zu bunt. Anfangs hatte diese noch die Argumente der Unternehmer ignoriert („Der Verkauf von Z stellt für die Konsumgesellschaft eine Bedrohung dar.“) und mit dieser gut gemeinten, im Grunde jedoch regelrecht schmutzigen Antwort gekontert: „Wir leben in einer freien Marktwirtschaft, in der die Bürger alles kaufen können, was ihr Herz begehrt, sogar ihre eigene Zeit.“ Doch nun sieht sie sich zum Handeln gezwungen, weil das Bruttosozialprodukt und damit die Steuereinnahmen sprunghaft absinken.

Wer bis hierher einfach nur eine amüsante Geschichte las, begreift auf der Stelle, dass es sich hierbei um sein eigenes Leben handelt. Dies geschieht spätestens, wenn sich die Unternehmerschaft beschwert, dass den Mitarbeitern genau so viel Lohn abgezogen wird, wie es dem Verhältnis der nicht geleisteten Arbeit zum Stunden-Soll entspricht. Doch für die Firmen geht für eine nicht geleistete Arbeitsstunde das Zehnfache dieses Wertes verloren, weil ja schließlich der ausgebliebene Gewinn entscheidend ist und nicht nur die Lohnkosten. Und nun kommt so ein normaler Typ daher und stellt dieses seit Generationen erprobte Prinzip auf den Kopf! Die Regierung schreitet ein und die Geschichte nimmt (s)einen an dieser Stelle nicht weiter erwähnten Verlauf (eigentlich sind es deren sogar zwei, doch das muss nun jeder selber lesen).

Das Potential dieser abstrusen Geschichte und die darin enthaltene Gesellschaftskritik sind schnell erkannt, doch auch die Sprache des Buches ist es, die Lust aufs Lesen macht. So erfreut  man sich über manch wahrhaft gelungene Formulierung, die einen wirklich guten Schriftsteller von der Masse der Schreiberlinge abhebt. So famos um die Ecke formuliert und wunderbar treffend ist dieser Satz, den die Frau des Protagonisten dem Psychiater ihres Mannes, der ein Verhältnis mit ihrer Nachbarin hat, entgegenschleudert, als dieser sie allein in einem Raum sprechen will: „Meinen Mann heilen ist eines, meine Nachbarin betrügen etwas ganz anderes.“ Ja, das muss man schon zwei mal lesen aber wenn es dann Klick macht…!






Mittwoch, 17. April 2013

Was scheren mich die Schafe – Anke Richter



Die im neuseeländischen Christchurch lebende deutsche Journalistin Anke Richter hat in diesem amüsanten und lehrreichen Buch ihre TAZ-Kolumnen zusammengestellt, die sich wirklich sehen lassen können. Natürlich sind die Geschichten, die einen sehr tiefen Blick in die Seele der Kiwis  - aber auch in die der Auswanderin – werfen, insbesondere für Neuseelandfreaks und Weltenbummler gedacht. Aber auch der normale Durchschnittsdeutsche oder die Träumerin, die ihr Leben lang davon phantasiert, ans andere Ende der Welt umzusiedeln, kommen auf ihre Kosten und erhalten kluge Einsichten in eine Kultur, die unserer zwar in Vielem ähnelt, sich aber auch oft sehr stark vom Deutschen unterscheidet.



Hätte der Rezensent diese als Erklärung und Warnung vor mancher Kultur-Falle zu verstehenden Texte doch nur vor seinem Neuseeland-Jahr studiert! Dann hätte er dort nicht täglich erneut den Fehler begangen, auf die sich wie ein Mantra wiederholende Frage nach seinem Befinden (How are you?) höflich zu einem längeren Monolog über die Gesamtsituation der Familie und deren Unternehmungen der letzten Tage auszuholen. Und er wäre dann auch nicht immer wieder über das gelangweilte Gesicht des Fragestellers verwundert gewesen, der lediglich ein knappes, gelogenes „fine“ erwartet hatte.

Faszinierend an den Einsichten und Gedanken Richters ist insbesondere die Tatsache, wie ehrlich sie davon berichtet, sich oft für ihr Deutschsein zu schämen und warum sie vermeidet, sich vor Landsleuten zu erkennen zu geben. Und wie sie dann doch den Kontakt zu den vor Ort lebenden Germanen sucht. All dies erinnert an die gleichen Gefühle, Gedanken und Handlungen, die den Rezensenten während seiner Zeit in Auckland befielen. Eigentlich will man mit den peinlichen und meckernden Deutschen so überhaupt nichts zu tun haben. Doch nach einer Weile weiß man deren Verlässlichkeit und Backkünste dann doch wieder zu schätzen und lästert gemeinsam über die eigentümlichen Kiwis mit ihren Themenparties und seltsam unfestlichen Weihnachtsumzügen.

Richters durch die deutsche Brille gefilterte Einblicke in die neuseeländische Gesellschaft sind oft urkomisch und immer grundehrlich, auch wenn dem Leser manchmal das Lachen im Halse stecken bleibt. Etwa beim Bericht über eine Gegendemonstration zu einem kleinen Naziaufmarsch, von dem sie berichtet, dass auch ein Maori auf der Seite der Rechten steht. Richters verblüffter, schwarzhumoriger Kommentar: „Ich glaube, hier sind selbst die Neonazis bikulturell.“

Doch wenn die Ausgewanderte dann über eine neuseeländische Single-Party auf dem Lande berichtet, entfernt sie sich zum Glück schnell wieder von den deutschen Eigenschaften des Hinterfragens und der alles bestimmenden Ernsthaftigkeit und berichtet von den Erfahrungen einer Freundin, die das Experiment eines Dialogs mit den teils gut aussehenden Landeiern bereits unternommen hatte: „…versuch mal eine Konversation mit denen. Dagegen kommt dir Kaspar Hauser wie Goethe in Höchstform vor. Und falls sie den Mund aufkriegen, ist ihr größtes Kompliment: ‚Nice tits’“. Begründet wird die seltsam unmodern anmutende Verklemmtheit der Kiwis mit deren prüder Erziehung. Diese dürfte letztendlich auch am hemmungslose Verhalten der Vertreter beider Geschlechter Schuld sein, das diese an den Tag legen, wenn der Damm erst einmal gebrochen ist. Da kann auch die an die deutsche Freizügigkeit gewohnte Autorin nur noch schulterzuckend konstatieren: „Auch ich habe eine Schamgrenze“, wenn die übriggebliebenen Partiegäste sich zum „Resteficken“ an den dunklen Strand aufmachen.

Und auch für einen kleinen Einblick in die Maori-Kultur eignet sich diese Kolumnen-Sammlung hervorragend. Richter berichtet von einem sogenannten Marae, einem Einführungskurs in die Kultur der Ureinwohner, den sie zusammen mit einigen gelangweilten Studenten und ihrer übereifrigen deutschen Freundin Eva besucht. Diese wird im Verlaufe des mehrtägigen Kurses so stark vom Maori-Virus infiziert, dass sie sich vor versammelter Mannschaft begeistert den Namen ‚Aroha’ gibt. Das bedeutet Liebe und dient dazu, :“das Unrecht der Kolonialisierung gutzumachen“ .Wenn sich Eva damit mal nicht zu viel vorgenommen hat! Wahrscheinlich brauchte sie nur endlich mal einen Gegenpol zu ihrem Ehemann, dem Mäckerbäcker, und fühlte unter den Maoris das erste Mal, dass sie nach vielen,  langen Monaten endlich nun in Neuseeland angekommen war.



‚Was scheren mich die Schafe’ ist sicherlich kein Buch, das man in einem Stück verschlingt, weil man unbedingt wissen will, wie die Handlung fortschreitet. Es ist ja auch kein Roman. Aber es ist die ideale Urlaubsvorbereitung bzw. Urlaubslektüre. Nicht nur für Menschen, die sich ins Land der großen weißen Wolke sehnen oder Aotearoa bereits kennen lernen durften, sondern für alle, die den trockenen Humor der Autorin sowie die lässige Art der surfenden und beneidenswert entspannten Kiwis zu schätzen wissen.


Montag, 15. April 2013

Das wilde Kind – T.C. Boyle



Gewisse Ähnlichkeiten mit der bekannten Geschichte des Kaspar Hauser oder dem wunderschönen Film „Alabama Moon“ drängen sich bei der Lektüre dieses kleinen, ergreifenden Büchleins auf, das auf der wahren Lebensgeschichte des Victor von Aveyron, einem sogenannten Wolfskind, beruht. Sowohl Kaspar Hauser als auch Victor wachsen ohne soziale Bindungen auf, werden dann mehr oder weniger vergeblich sozialisiert und sterben jung.






Hat man die Geschichte zu Ende gelesen, fragt man sich traurig, warum um alles in der Welt mussten die Dörfler den nackten, wilden Jungen unbedingt einfangen und zu „Forschungszwecken“ nach Paris geben. Es ist die gleiche Fragestellung, die man am Ende des genannten Films hinsichtlich des tapferen Moon aus Alabama im Kopf hat. Ob dieser im Haus seiner Verwandtschaft wirklich glücklicher ist als im geliebten Wald? Warum hat man Victor nicht einfach in Ruhe durch die Wälder streunen lassen, wo er sich selbst im Winter nackt und behände durch die Büsche bewegte, rohe Eicheln und kleine Nagetiere aß und mit Sicherheit ein erfüllteres Leben führte als im Taubstummenheim, wo er tagein tagaus vom ambitionierten Dr. Itard mit allerlei Lernaufgaben gequält wurde? Unbedingt wollte dieser sich und der Welt beweisen, dass der Wilde kein Idiot sei, nur weil er auch in der Öffentlichkeit völlig ungehemmt an seinem Penis spielte, im Stehen schiss (bevorzugt auf Teppiche) und im Sitzen pinkelte. Daher unterzog er ihn, dem weder Hitze (gern holte Victor sprichwörtlich die Kartoffeln aus dem Feuer, aber mit der Hand!) noch Kälte etwas ausmachte, einer „Umerziehung“, die ihn ein für allemal die Rückkehr in die Freiheit unmöglich machte: Tägliche Wannenbäder und zu viele Bratkartoffeln verweichlichten den Jungen, so dass dieser nach seiner Flucht aus der Anstalt keine drei Tage in der Stadt, vor der er verständlicherweise richtig gehend Angst hatte, bestehen konnte. So döste und siechte er nach Jahren der vergeblichen „Erziehung“ bei Itard schließlich 20 Jahre bei seiner liebevollen Ziehmutter dahin, wobei er neben Essen („als litte er noch immer Hunger“) nichts tat als aus dem Fenster zu schauen und im Hof liegend den Bewegungen der Wolken zuzusehen. Zeitlebens blieb es für ihn ein Mysterium, dass er sich jederzeit satt essen und trinken konnte: „Er trank ein Glas Wasser nach dem anderen, die Urflüssigkeit, die ihn zurück versetzte in die Zeit der Freiheit und Entbehrung, und starrte dorthin, wo das Gras hoch war und die Zweige der Bäume sich im Wind wiegten.“

Berührend und faszinierend erkennt der Leser, wie stark wir Menschenkinder von unserer Umgebung geprägt werden und dass ein Kind, dem all die vielerlei Konventionen, die in einer menschlichen Gesellschaft zumindest teilweise vonnöten sind, gänzlich unbekannt sind, ganz andere, natürlichere Verhaltensmuster an den Tag legt. Eine Bewertung dieser Tatsache wird dem Leser nicht abgenommen und er muss sich selbst ein Urteil über den Erziehungsversuch bilden, wenn er erfahren hat, wie Victor sich völlig selbstverständlich und aus einem inneren Trieb heraus von hinten einem Mädchen annähert, um es „unsittlich“ zu berühren. Oder wie er ohne darüber nachzudenken, dass seine Tischgenossen vielleicht auch hungrig sind, alles hortet, was er an Speisen raffen kann, um es zu verschlingen, zu verstecken oder zu vergraben.

Als Victor, der weder über ein Schamgefühl noch über Mitleid, Kameradschaft oder Großzügigkeit verfügte, bei einem Picknick seine Stiefschwester Julie an der Hand in sein Versteck führt, wird es einem richtig warm ums Herz. Er knetet sanft ihre Knie, streichelt ihr Haar, zeigt ihr seinen Vorrat an Brötchen und als dem jungen Mädchen die Situation unangenehm wird und sie zurück zu den anderen geht ruft er verzweifelt „Lie! Lie!“, das einzige Wort, das er aussprechen konnte. „Und dann bot er ihr in einer Art Verzweiflung und als überwältigenden Ausdruck seiner Liebe die Überreste eines halbgegessenen Brotes dar.“

Mittwoch, 27. März 2013

Regensburg am Schwarzen Meer: 2400 Kilometer auf der Donau- Daniel Weißbrodt



Angst, richtige große Scheißangst

Daniel Weißbrodt paddelt auch nachts 2400km mit dem Kolibri von Regensburg ans Schwarze Meer

Mit Reiseberichten verhält es sich so wie mit dem Überraschungsei: Man erwartet etwas richtig Spannendes und ist dann am Ende oft ein wenig enttäuscht ob des Inhaltes, der den Versprechungen auf der Verpackung nur selten gerecht wird. Wenn hingegen ein Germanist in einem alten DDR-Faltboot viele Wochen lang auf der Donau bis zum Schwarzen Meer paddelt und dabei zehn Länder streift, die oft als „gefährlich“ eingestuft werden (womit nicht ausschließlich Österreich gemeint ist), darf man neben vielen interessanten Geschichten und kauzigen Menschen auch große Literatur erwarten. Die dieses Buch leider nicht birgt. Hat man indes weniger hohe Ansprüche und lässt sich einfach von Weißbrodts detailverliebten Schilderungen dieses echten Abenteuers treiben wie der Autor sein Boot auf dem Fluss, kann man quasi als Sozius auf dem freien Sitz Platz nehmen und alles hautnah miterleben. Dann spürt man die heiße Sonne auf dem Bauch brennen, empfindet die quälenden Schmerzen am Hintern ebenso wie diese Scheißangst auf dem nächtlichen Strom und genießt die verschiedensten Biersorten, die der Autor alle testet.
Was der nicht mehr ganz so junge Autor hier völlig auf sich allein gestellt leistet, ist schon bemerkenswert. Auch dessen Weigerung, Länder wie Serbien oder Rumänien als gefährlich einzustufen oder dem Cliché von den stehlenden Roma Glauben zu schenken, beeindruckt. Selbst als seine Packsäcke samt Inhalt und kurz darauf sogar die gesamte Campingausrüstung verschwinden, verliert er kein schlechtes Wort über die von der einheimischen Bevölkerung verachteten „Zigeuner“. Dass Nationalismus leider in vielen Ecken der Welt zu finden ist, erfährt Weißbrodt etwa, wenn er durch eine slowakische Brücke fährt, auf der ein Graffiti verkündet: „Die Ungarn sind Scheißkerle“.
Weißbrodts Donau-Bezwingung in drei Akten ist ein schönes Buch. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Es ist - Achtung Wortspiel: flüssig geschrieben, klug beobachtet und doch ein wenig eintönig, genau wie so eine wochenlange Paddelei auf einem riesigen Fluss eben. Doch auch wenn sich der täglich wiederholende Ablauf von Anlegen, Einkaufen, Café oder Kneipe suchen, Zelt aufbauen usw. den Leser hin und wieder nervt: Der Rezensent hat Lust auf Wasser bekommen und sein Faltboot startklar gemacht. Es muss ja nicht gleich bis zum Schwarzen Meer gehen, Neuseenland ist auch schön. Nur nicht so weit entfernt.

Daniel Weißbrodt: Regensburg am Schwarzen Meer: 2400 Kilometer auf der Donau. Leipzig: Engelsdorfer Verlag. 312 S., 14,80 €