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Dienstag, 14. Februar 2012

Der Pfad des friedvollen Kriegers - Dan Millman

Als leicht anarchisch veranlagten Borderline-Pazifisten hat mich schon der an sich recht widersprüchliche Titel dieser Buchempfehlung gereizt. Doch habe ich mich dann ziemlich schwer getan, in diese (angeblich)I wahre Lebensgeschichte des amerikanischen Leistungssportlers Dan Millman hineinzufinden, was sicherlich auch daran lag, dass ich gleichzeitig leichtere Kost „verspeiste“ welche ich immer wieder diesem teilweise sehr anspruchsvollen Lebensratgeber vorzog.

Die Geschichte an sich ist, so unglaubwürdig sie erscheinen mag, schnell erzählt: Der erfolgreiche aber irgendwie ziemlich unglückliche Sportstudent Dan trifft durch Zufall an einer Tankstelle auf einen weisen Alten, den er fortan Socrates nennt. Warum Soc, der mir zuweilen doch mit für einen realen Menschen ziemlich überirdisch anmutenden Kräften gesegnet ist, sich gerade Dan als Lehrling in Sachen Glücklichsein ausgesucht hat, weiß der Alte allein. War es Zufall oder Schicksal, Vorhersehung oder pures Glück für Dan? Schließlich treibt sich doch auf Erden, insbesondere im materiell so reich gesegneten Teil, in dem wir durch Zufall geboren wurden, eine Unmenge melancholischer, depressiver oder einfach nur unglücklicher Gestalten herum, denen solch eine spezielle Kur nur zu gut tun würde.

Socrates nimmt Dan nun mit auf eine einzigartige Reise, deren Ziel es ist, genauso glücklich zu werden, wie er es selber ist. Solch einen Lehrer zu finden, wünschten sich sicherlich Viele unter uns. Wenn man dann aber liest, was Dan so alles auf dieser Reise abverlangt wird, fragt sich der Leser schnell, ob auch er bereit wäre, diese Reise mitzugehen. Am Anfang stehen leichtere Übungen wie bewusstes Atmen und bewusstes Leben ganz allgemein, meditieren, zur Ruhe kommen usw. Dinge also, die jeder Yogalehrer zu vermitteln sucht. Allerdings hat Soc die Fähigkeit, Dan auf spezielle Reisen zu schicken. Ob es sich dabei um Hypnose, Träume oder was auch immer handelt, wird nicht erklärt, aber es scheint unseren jungen Helden stark zu beeindrucken, was er während dieser Abwesenheitsmomente alles sieht und erlebt. Ich jedenfalls kenne nicht viele Menschen, die, so wie Dan, von sich behaupten, sie verstünden, dass sie „alles“ seien. Alle Tiere, alle Menschen, die Erde, die Planeten… Eine schwierige, für mich kaum nachvollziehbare Vorstellung

Was ich hingegen sehr wohl verstehen und für mich annehmen kann ist Socrates’ Ratschlag, jeden Moment bewusst zu (er)Leben. Nicht der Vergangenheit nachtrauern, nicht auf die Zukunft hoffen – nein, jetzt diesen Moment genießen und darüber glücklich werden. Ohne weitere Gründe! Ich habe es probiert und über eine Woche, in der ich wirklich (ziemlich glücklich war) durchgehalten!

Dan fällt es anfangs trotz aller Neugier und Sinnsuche sehr schwer, den Ratschlägen des Alten zu folgen und sein ganzes bisheriges Leben in Frage zu stellen. Zudem soll er auf Alkohol verzichten sowie seine Ernährung komplett umstellen und extrem einschränken. Nicht einmal der Liebe soll der junge, vor Saft strotzende Sportler fröhnen dürfen (was mich endgültig  davon abbrachte, seinem Weg zu folgen). Aber Dan hält durch und wird mit einem großen Geschenk belohnt. Er lernt bei Socrates die fröhliche, gut gelaunte, glückliche und Liebe ausströmende Joyce kennen, in die er sich sofort verliebt. Aber er kann sie nicht treffen, wann er dazu Lust verspürt sondern nur, wenn Soc es will.

Nachdem Dan nun die ersten Lektionen erfolgreich absolviert hat (und das, obwohl ihn ein schwerer Unfall für Wochen ans Krankenbett fesselt) geht es mit extremer körperlicher Ertüchtigung weiter. Wann er in diesen Monaten Zeit zum Schlafen und regenerieren hat (früh treibt er zeitig Sport mit Joyce oder Soc, tagsüber hat er Training und Vorlesungen an der Uni, abends muß er Lernen und nachts führt er stundenlange Gespräche in Soc’s Tankstelle) und wie er über all diesen Beschäftigungen auch zur (innern) Ruhe kommt, wird nicht verraten. Wir erfahren lediglich, dass Dan’s Weg zum Glücklichsein ein sehr langer ist und sich über 9 Jahre hinzieht. In dieser Zeit heiratet er und wird Vater (das Sexverbot galt also nicht für immer!), hat eine Freundin, mit der er sich so richtig wesensverwandt fühlt, welche er aber aus Pflichtbewußtsein gegenüber seiner Familie wieder verlässt  - nur glücklich wird er nicht richtig. Auch eine Weltreise bringt es nicht wirklich und so begibt er sich schließlich auf einen trip in die Wüste, wo er in Natur und Stille zu sich finden, die Erkenntnis erlangen will. Und – welch Zufall – hier läuft ihm sein alter Lehrer Socrates über den Weg und nimmt ihn mit auf einen alten Indianerfriedhof, wo es sehr mystisch zugeht und Dan regelrecht Angst um sein Leben verspürt. Auch hier erlebt er wieder einen dieser bewegenden Träume und ist anschließend wie verwandelt. Dan ist glücklich, einfach nur so, ohne Grund. Der Glückliche! Und so beschließt er, seine Familie nun doch zu verlassen (ob die darüber auch glücklich wird?) und ruft seine ehemalige Geliebte an. Diese wartet anscheinend seit Jahren nur auf diesen einen Anruf und steht kurze Zeit später vor seiner Tür am anderen Ende der USA. Und wie es sich für ein amerikanisches Happy End gehört, erkennen die beiden nun, dass sie sich in einer früheren Zeit schon einmal getroffen haben. Dan hat seine Joyce wiedergefunden. Und wenn sie nicht gestorben sind, so lieben sie noch heute. Und zwar glücklich!

Wie man diesen Worten entnehmen kann, hatte ich so meine Probleme mit der Art der Darbietung, die Erzählung war mir ein wenig zu amerikanisch-konservativ und teilweise ein wenig zu abgehoben. Das Wesentliche hingegen ist auch bei mir angekommen: Lebe jeden Augenblick bewusst, atme tief, esse langsam, genieße und sei glücklich – grundlos glücklich! Nun denn, worauf warten wir noch?

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